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Die Anderen sind wir

[Intro] [Acoustic Guitar Picking] --- --- Ich hab die Zeitung zugeklappt, Der Kaffee längst schon kalt, Die Schlagzeilen wie jeden Tag Zu laut und doch so alt. Und irgendwo im Kommentar Steht wieder, wer versagt – Als hätten wir ihn nicht gewählt, Als hätten wir nichts gefragt. Und wir zeigen mit dem Finger, Doch die Hand bleibt sauber nie, Denn die anderen sind immer Ein kleines Stück auch wir. Wir schimpfen auf die Bühne, Auf das schlechte Schauspiel dort – Doch wer hat denn applaudiert Und trägt die Karten fort? Der eine sagt: „Die können nichts“, Der andere: „Es ist egal“, Und zwischen Trotz und Müdigkeit Verläuft die erste Wahl. Wir warten auf den großen Wurf, Auf Ehrlichkeit und Mut – Und geben uns mit Parolen Und halben Wahrheiten gut. Und plötzlich stehen sie am Rand, Die Stimmen werden laut, Die einfachen Antworten Sind schnell und gut gebaut. Sie reden von „dem Volk“ so gern Und meinen doch nur sich, Und jede zweite Lösung klingt Zu einfach – und verführerisch. Man hört sie in den Kneipen schon, In Sätzen, halb im Scherz, Und was uns gestern noch erschrak, Gewöhnt sich in das Herz. Ein Achselzucken hier und da, Ein „So schlimm ist das doch nicht“ – Und leise rückt das Sagbare Ein Stück ins falsche Licht. Und wir zeigen mit dem Finger, Doch die Hand bleibt sauber nie, Denn die anderen sind immer Ein kleines Stück auch wir. Wir fürchten ihre Worte – Und doch fehlt oft der Widerspruch, Als wär die eigne Stimme Uns schon ein bisschen zu Besuch. Und draußen ziehen Wolken auf, Nicht laut, doch viel zu weit, Als hätten ganze Kontinente Dieselbe Müdigkeit. Ein jeder sucht den starken Mann, Der alles richten soll – Und merkt zu spät: Die leeren Hände Sind plötzlich wieder voll. Die Nachrichten aus fernen Ländern Klingen nah und schwer, Als stünde hinter jeder Grenze Ein neuer alter Konflikt bereit, Und irgendwo wird aufgerüstet, Während man sich selbst belügt – Dass Frieden sich von selber hält, Wenn man ihn nicht mehr fügt. Doch irgendwo in kleinen Räumen, Wo keiner Kameras vertraut, Wird leise noch gesprochen, Wird widersprochen – und gebaut. Ein Satz, der nicht stehen bleibt, Ein Nein zur rechten Zeit, Ein offnes Ohr, ein klarer Blick Sind mehr als nur Kleinigkeit. Vielleicht sind’s keine großen Taten, Kein Umsturz über Nacht, Doch jedes ehrliche Gespräch Hat schon ein Stück gemacht. Denn Hoffnung trägt kein Banner, Sie kommt auch nicht im Chor – Sie sitzt oft still am Küchentisch Und sagt ganz leise: „Doch.“ Und wir zeigen mit dem Finger – Und wir nehmen ihn zurück, Denn die anderen sind wir alle, Und wir ändern Stück für Stück. Kein Applaus für leere Worte, Kein Vergessen, kein Verdruss – Denn wer die Zukunft retten will, Fängt irgendwo ja an – und muss. Ich hab die Zeitung zugeklappt, Der Kaffee längst schon leer, Und irgendwo beginnt die Hoffnung Vielleicht bei mir ein bisschen mehr.