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Zypern – „Die Straßen ohne Heimkehr“

Zypern – „Die Straßen ohne Heimkehr“ (Deutsch / Türkisch / Griechisch) Strophe I – Die Insel (Deutsch) Die Insel war geteilt, so plötzlich, dass selbst die Olivenbäume verstummten. Die Straßen führten weiter, doch niemand durfte ihnen folgen. Die Häuser standen offen, als hätten sie ihre Bewohner verloren. Und die Menschen gingen fort, nicht aus Wahl, sondern aus Angst. Türkischer Befehl – “Dur! Geri çekil!” „Halt! Zurücktreten!“ Griechische Antwort – «Εμείς… δεν έχουμε σπίτι…» „Wir… wir haben kein Zuhause mehr…“ Refrain – Die Teilung (Deutsch / Griechisch / Türkisch) Ein Land reißt in zwei Hälften. «Χανόμαστε…» „Wir verschwinden…“ Devam et. „Weiter.“ (Militärton) Und die Straßen enden im Draht. Strophe II – Die Vertreibungen (Deutsch) Die Männer nahmen Fotos, die älter wurden als ihre Hoffnung. Die Frauen trugen Schlüssel, zu Türen, die niemand mehr öffnet. Die Kinder lernten Grenzen, bevor sie Worte lernten. Und die Nächte wurden schwer, nicht durch Dunkelheit, sondern durch Verlust. Türkischer Befehl – “Hızlı! İleri!” „Schnell! Vorwärts!“ Griechische Antwort – «Παρακαλώ… όχι άλλο…» „Bitte… nicht mehr…“ Die Geisterdörfer (Deutsch) Die Dörfer standen still, so still, dass selbst der Wind nicht hinein wollte. Die Fenster blickten auf Straßen, die niemand mehr betrat. Die Kirchen waren leer, nicht durch Zeit, sondern durch Hände, die sie schlossen. Und die Hoffnung wurde dünn, wie Staub auf verlassenen Stühlen. Türkischer Befehl – “Sessiz ol! Devam!” „Ruhe! Weiter!“ Griechische Antwort – «Φοβόμαστε…» „Wir haben Angst…“ Die Familien an der Grenze (Deutsch / Griechisch) Die Mütter standen vor Zäunen, die höher als ihre Träume waren. Die Väter zählten Jahre, die niemand zurückgab. Ein Junge sah auf die andere Seite, als wäre dort sein zweiter Schatten. Ein Mädchen hielt ein Tuch, das nach Zuhause roch, doch Zuhause war jenseits der Soldaten. «Δεν μπορούμε…» „Wir können nicht…“ Refrain – Die Hoffnungslosigkeit (Deutsch / Griechisch / Türkisch) Die Zukunft ist dünn, wie ein Faden im Wind. «Η αγάπη… χάνεται…» „Die Liebe… verschwindet…“ Devam edin. „Weitergehen.“ (Militärton) Und die Straßen bleiben geteilt. Bridge – Die Stimmen (Griechisch / Deutsch) «Αν χαθούμε… ποιος θα μας θυμάται…» „Wenn wir verschwinden… wer erinnert sich an uns…“ Der Wind trägt die letzten Namen. Die Menschen, die nicht zurückkamen (Deutsch) Einige durften zurück, aber nicht nach Hause. Viele durften gar nicht zurück. Die Insel trägt ihre Schritte, die im Staub verblassten. Und ein Volk verliert sein Gestern, nicht in einem Tag, sondern in tausend stillen Grenzlinien. Die Stille bleibt.