
(Titel: „Berlin, du graue Stadt“) (Liedermacher-Stil – für die Theaterspiel-Reihe Melodie: ruhige Gitarre, später ein Streicher-Teppich, der sich öffnet ) (Strophe 1) Ich ging durch die Straßen, die ich einst kannte, da war ein Kiez, der sich noch Kiez nannte. Jetzt hängen die Schilder in Englisch und in Hochglanz, und der Bäcker von nebenan schloss für immer ganz. Die Mieten, sie klettern wie Efeu die Wand hoch, und wer hier geboren ist, verlor seine Stadt. Die Fenster, sie leuchten, doch niemand wohnt mehr drin – Berlin, du graue Stadt, warum nur ist es so gekommen? (Refrain) Wo sind die Lieder, die wir zusammen sangen? Wo ist das Lachen aus vergangenen Tagen? Es ist kalt geworden, kalt in dieser Zeit, und die Stadt, sie hat vergessen, was sie einst war – was ihre Schönheit war. Doch irgendwo, ganz tief in der Nacht, hält eine Hoffnung noch immer Wacht. (Strophe 2) Am Bahnhof Zoo steht ein Mann ohne Schuh, er zählt seine Jahre und findet keine Ruh. Die Schlafsäcke immer dünner, die Winter immer länger, und keiner fragt mehr: „Mensch, wie geht’s dir, mein Freund?“ Die Politik redet von Ordnung und Zäunen, Und die Kälte da draußen hält niemanden mehr warm. Die Stadt ist voll Reichtum, doch arm an Gefühl – Berlin, du graue Stadt, warum nur ist so gekommen? (Refrain) Wo sind die Lieder, die wir zusammen sangen? Wo ist das Lachen aus vergangenen Tagen? Es ist kalt geworden, kalt in dieser Zeit, und die Stadt, sie hat vergessen, was sie einst war – was ihre Schönheit war. Doch irgendwo, ganz tief in der Nacht, hält eine Hoffnung noch immer Wacht. (Bridge) (leiser, fast gesprochen) Ich hörte von einer Frau, die aus dem Schatten trat. Mit einem Goldkettchen um den Hals, auf dem „Mietendeckel“ stand. Sie sagt: „Menschen wie ich sollen hier nicht Bürgermeisterin sein“ – und genau deswegen macht sie es jetzt allein. Ihre Eltern flohen einst, sie wurde hier geboren, und für die, die niemand sieht, hat sie die Stimme jetzt erhoben. (Strophe 3) (mit wachsendem Streicher-Teppich) Elif, die Juristin, die vom Rand der Stadt kam, sie kennt die kalten Bänke und die lautlosen Hilfeschreie. Sie will die Wohnungen den Konzernen nehmen, und die, die längst nicht mehr zählen, wieder sichtbar machen. Sie will Feiertage für alle und jeden, und ein Berlin, in dem wir uns nicht mehr ängstigen. Das Vielfalt feiert, nicht nur im Fest – sondern jeden Tag im Rathaus, im Amt, im echten Leben. (Strophe 4) (mit voller Band, hoffnungsvoll) Und plötzlich, da wächst etwas in der Stadt, ein leises Summen, das noch glauben mag. Es sind die Stimmen der Vielen, der Bunten, die sagen: „Wir bleiben, wir haben wieder einen Grund.“ Elif trägt kein Amt noch nicht, doch sie trägt die Hoffnung von denen, die niemand mehr trägt. Die erste mit Wurzeln, in vielen Kulturen – vielleicht wird Berlin wieder menschlich und lebenswert. (Refrain) (mit vollem Chor, getragen) Wo sind die Lieder, die wir zusammen sangen? Sie kommen zurück, aus den leisen Tagen. Es wird wärmer, wärmer in dieser Zeit, weil eine Stadt sich erinnert, wozu sie fähig ist. Und irgendwo, ganz tief in der Nacht, hat die Hoffnung ein Gesicht – und es wächst. (Outro) (nur Gitarre, langsam) Berlin, du graue Stadt, du bist nicht verloren. Solang Elif für dich singt, kannst du neu geboren werden. Die Strassenfluchten, sie atmen, die Kieze, sie leben, und wir, wir bleiben hier – um zu gemeinsam Berlin zu gestalten.

