„Bitte zeigen Sie Ihr Gesicht.“ „Das ist es schon.“ „Haben Sie auch ein freundlicheres?“ „Nicht um diese Uhrzeit.“ Ich komm zur Gesichtskontrolle, zieh die Kapuze aus, der Mann am Schalter sagt: „So sehen Sie nicht aus.“ Ich sag: „Das bin ich morgens.“ Er sagt: „Das ist kein Beweis. Ihr Foto lächelt freundlicher.“ – „Weil's nichts vom Montag weiß.“ Er prüft die Augenringe: „Ist das Ihr Original?“ „Die kommen ohne Aufpreis. Das Gesamtpaket ist real.“ Er sucht nach meinem Lächeln, findet's nicht auf seinem Blatt. „Das war noch vor den Preisen, die der Supermarkt jetzt hat.“ Er sagt: „Ein bisschen glatter, dann passen Sie hier rein.“ Ich sag: „Dann nehmen Sie den Tisch. Der müsste makellos sein.“ Im Wartezimmer klopft ein Mann den Takt auf seine Knie. Die Frau daneben singt dazu. Das stand im Plan noch nie. Keiner sieht wie Werbung aus. Und plötzlich fällt mir auf: Für genau die echten Menschen dreh ich meine Boxen auf. Du musst hier nichts beweisen, komm, stell dich mit dazu. Der Beat fragt nicht nach deinem Bild. Der fragt: „Was fühlst denn du?“ Wir tragen unsre Tage im Gesicht, manche waren schwer, doch wir sind hier. Und wenn du dich in einer Zeile findest, dann gehört ein Stück von diesem Lied auch dir. SHOW OUR FACES! SHOW OUR FACES! WE ARE HERE, WE ARE ALIVE! Zeig dein Gesicht, wir sind noch da, mit jedem Fehler, jedem Jahr. SHOW OUR FACES! SHOW OUR FACES! WE MAKE MUSIC FOR YOUR LIFE! Du musst nicht glänzen, um zu zählen. Komm, wir haben was zu erzählen! Der Mann vom ersten Schalter schaut sein altes Foto an: „Da hatte ich noch Haare.“ – „Wer ist dieser fremde Mann?“ Er grinst zum ersten Male, legt den Stempel einfach hin, und sagt: „Ich muss zugeben, dass ich auch nicht makellos bin.“ Eine Mutter in der Küche, irgendein Typ im letzten Bus, einer schaltet seinen Bildschirm aus, weil heut nichts mehr sein muss. Da ist einer, der seit Wochen abends niemanden mehr sieht. Und genau in diesem Zimmer läuft jetzt unser kleines Lied. Du musst keinen Text erklären, wenn ein Satz bei jemand sitzt. Manchmal reicht's, dass einer merkt, dass man ihn nicht ganz vergisst. Jemand lacht beim ersten Vers, jemand hört noch einmal hin. So verschieden unsre Tage, so gemeinsam mittendrin. Die Frau singt eine Zeile schief. Der Mann am Schalter lacht. Beim nächsten Mal singt er sie mit. Das hat er nie gemacht. Wenn du lachst, dann lach ich mit. Wenn es drückt, dann bleib ich hier. Was ich auf die Zeilen lege, geht von mir bis hin zu dir. Wir tragen unsre Tage im Gesicht, manche waren schwer, doch wir sind hier. Und wenn du dich in einer Zeile findest, dann gehört ein Stück von diesem Lied auch dir. SHOW OUR FACES! SHOW OUR FACES! WE ARE HERE, WE ARE ALIVE! Zeig dein Gesicht, wir sind noch da, mit jedem Fehler, jedem Jahr. SHOW OUR FACES! SHOW OUR FACES! WE MAKE MUSIC FOR YOUR LIFE! Du musst nicht glänzen, um zu zählen. Komm, wir haben was zu erzählen! Mit den Falten und den Flecken, mit den Macken und den Ecken, mit den Tagen, die wir lieber unter langen Ärmeln decken, mit dem Lachen in der Küche und dem Kloß im letzten Satz, mit dem Mut, noch mal zu kommen, wenn der erste Anlauf platzt. Du bist mehr als deine Zahlen, mehr als irgendein Profil, mehr als „weiter“, mehr als „nächster“, mehr als „passt nicht in mein Bild“. Ich hab keine glatte Antwort, aber einen freien Platz. Komm, wir stellen uns zusammen. Jeder so, wie er es schafft. SHOW OUR FACES! SHOW OUR FACES! WE ARE HERE, WE ARE ALIVE! Zeig dein Gesicht, wir sind noch da, mit jedem Fehler, jedem Jahr. SHOW OUR FACES! SHOW OUR FACES! WE MAKE MUSIC FOR YOUR LIFE! Du musst nicht glänzen, um zu zählen. Komm, wir haben was zu erzählen! „Die Gesichtskontrolle ist geschlossen.“ „Und jetzt?“ „Jetzt hören wir zu.“


