Song Cover Image

Scheerenschleiferlied

Der Schleifer ist allzeit ein Mann, Den man nicht gut entbehren kann, Weils Vieles gibt, wie Ihr ja wisst, Was abgestumpft und schartig ist, Und man sich da nur nutzlos quält, Wo Schärfe, Schnitt und Rundung fehlt. Der Schleifer findet weit und breit Gar manche Ungeschliffenheit, Und wo er nicht selbst helfen kann, Da packen andre Kräfte an. Das Schicksal fasst ja manchen Tropf Mit eisenfestem Griff, Setzt ihm den widerspenst'gen Kopf Zurecht und gibt ihm Schliff!" Der Meister und die Meisterin, Die haben oft gar eignen Sinn, Der Lehrling ist ein Aschenbrot, Hat wenig Freud und sehr viel Not, Arbeitet wie ein Droschkenpferd Und gilt doch keinen Heller wert. Der Sündenbock für alle Welt, Auf halbe Ration gestellt, Zu spät ins Bett, zu früh heraus, Das halte doch der Teufel aus! Und klagt und schimpft und jammert er, So kommt der Meister Pfiff, Nimmt Elle oder Knieriem her Und appliziert ihm Schliff! Bei einem wohlbekannten Haus Fliegt Geld hinein, Papier heraus. Man sagt, dass es ein Bankhaus sei, Doch ists die höh're Schleiferei; Denn man dreht drinnen dem Hans Tapp Die schwer ersparten Groschen ab. Da plötzlich wird die gute Bank An hoffnungsloser Schwindsucht krank; Der Prinzipal kniff gerne ex, Doch fasst ihn 'Polyp multiplex.' Jetzt brummt er in der Einsamkeit, Und kaut an seinem Kniff, Und für das Schleifen frührer Zeit, Bekommt er selbst nun Schliff! Im Schulhaus geht für Jedermann Das offizielle Schleifen an. Und was die liebe Frau Mama Bisher am Zuckerkind versah, Wird hier barmherzig und geschickt Mit Stock und Rute ausgeflickt. Das niederträchtige A-B-C Schmeckt unbedingt nach Aloë, Und wer das Einmaleins verdaut, Der stirbt auch nicht an Sauerkraut. In diese Art Philosophie Fährt man mit raschem Griff, Legt sie gemütlich übers Knie Und appliziert ihr Schliff. Wohnt einmal einer in der Stadt, Der gar zu lange Finger hat; Bei Tage bleibt er stets zu Haus, Geht nur im Dunkelmunkel aus, Ist aller Straßenlampen Feind Und liebt den Mond, wenn er nicht scheint. So wandert heimlich er fürbass, Denkt bald an dieses, bald an das, Bis er, Kreuzhimmelelement, Ein fremdes Port'monnaie umrennt. Doch leider wird der Schelm ertappt Bei dem verbot'nen Griff; Ein Gänsedarm hat zugeschnappt Und sorgt für bessern Schliff. Ich kenne ein Amphibium, Heißt Redakteur und ist nicht dumm. Im Tintenfasse schwimmt das Tier, Frisst Federn, Schreib- und Druckpapier, Hat eine Zunge, spitz und scharf, Und quakt, was man nicht quaken darf. Drum bringt den Herrn Amphibius Das Quaken öfters in Verdruss, Wobei es hier und da gelingt, Dass man ihn auf das Trockne bringt. Denn tritt er in der Setzerei Etwas zu stark aufs Schiff, So stürzt ein Paragraph herbei Und sorgt für bessern Schliff. Herr Müller und Frau Müller sind Zuweilen sehr konträr gesinnt. Er liebt den Skat; sie hasst das Spiel, Er schweigt gern und sie plappert viel, Er ist ein Feind von Tand und Putz, Und sie hälts mit dem Federstutz. Der Frau gebührt natürlich Recht; Sie ist das schönere Geschlecht. So war es schon zu Adams Zeit, So bleibt es auch in Ewigkeit. Und fehlt dazu dem Grobian Der richtige Begriff, Schafft sie sich einen Hausfreund an Und sorgt für bessern Schliff!