**(Intro – 4 Takte dumpfes, monotones Schrammeln auf D-Moll oder E-Moll, kurzes Spucken/Seufzen)** **(Strophe 1)** Der Wecker klingelt um sechs Uhr zehn, weil brave Bürger zur Arbeit gehn. Ein Morgen-Smoothie mit Chiasamen, im Namen des Vaters, des Sohnes, amen. Die Nachbarin fegt schon das Treppenhaus, sieht wie das blühende Leben aus: Augenringe bis zum Kinn, fragt mich, wo ich heut wohl noch hinwill. Sie sagt: „Der frühe Vogel fängt den Wurm!“ Ich sag: „Der Vogel hat ’nen Dachschaden im Sturm.“ **(Refrain)** Denn ich muss… gar nichts! Nicht pünktlich sein, nicht funktionieren, nicht eure Scheiß-Karriere zelebrieren. Ich muss nicht lächeln, wenn ihr mich grüßt, nicht schlucken, was ihr mit Zucker versüßt. Eure Normen könnt ihr behalten, ich hab besseres zu tun als mich anzupassen: Ich muss gar nichts. Und das lass ich mir nicht nehmen. **(Strophe 2)** Um elf Uhr morgens auf den Balkon, kalter Kaffee, Kippe auf Glimm-Mission. Unten fährt ein SUV vorbei, drin sitzt Familienidylle drei. Vorne der Vati im Poloshirt, der sich über Lastenräder beschwert. Hinten die Gören mit Geigenunterricht, weil man im Tennisclub sonst erbricht. Man baut ein Haus, pflanzt einen Baum, und nennt den Bausparvertrag einen „Traum“. Fünfundvierzig Jahre Raten abzahlen, um am Ende stolz im Vorgarten zu verfaulen. **(Refrain)** Ich muss… gar nichts! Kein Reihenhaus mit Steingartenkies, wo jedes Unkraut wie ein Verbrechen hieß. Ich muss kein Erbe für die Rente horten, nicht mitreden bei euren Weinsorten. Eure Normen könnt ihr behalten, ich hab besseres zu tun als mich anzupassen: Ich muss gar nichts. Gar nichts. **(Bridge – Gitarre wird leiser, gedämpft gepickt, fast flüsternd, baut sich langsam auf)** „Hast du denn gar keine Ziele im Leben?“ „Man muss der Gesellschaft doch etwas zurückgeben!“ „Denk an die Lücke im Lebenslauf!“ Ach kommt, bitte hört damit auf. Euer Mindset könnt ihr euch schenken, euer LinkedIn-Profil könnt ihr tränken in Selbstoptimierung und Coaching-Müll, bis ich vor lauter Erleuchtung brüll. *(Gitarre bricht laut aus, Saiten scheppern auf die Bünde)* Ich bin faul! Ich bin dreckig! Ich bin nicht kompatibel! Schreibt euren Lebenslauf meinetwegen in die Bibel! **(Refrain – volle Lautstärke, heiser geschrien)** Ich muss… GAR NICHTS! Nicht netzwerken, nicht performen, nicht sterben in euren Schablonen! Nicht Danke sagen für den Tritt ins Gesicht, ich schulde dieser Welt einen Scheißdreck – mehr nicht! Eure Normen könnt ihr behalten, lasst mich einfach nur verwalten: Meinen Frieden. Meinen Rausch. Mein verdrecktes Zimmer. **(Outro – Tempo wird noch langsamer, Gitarre zerfällt in einzelne Töne)** Kein Bausparer. Kein Thermomix. Kein Yoga-Retreat am Wochenende. Keine Antworten. Nur eine alte Klampfe mit fünf gerissenen Saiten… und der festen Überzeugung: Ich muss gar nichts. *(Letzter harter Anschlag, Saiten mit der Handfläche abgedämpft)* Außer sterben. Irgendwann. Aber ganz sicher nicht heute.