
[Verse 1] Ich pflanzte eine Korkenzieherweide, ich dachte, die bleibt wohl ein bisschen klein. Ich hatte Korkenzieherbirken gesehen, die konnten doch auch bescheiden sein. Nun ist sie sechs Jahre lang gewachsen, sechs Meter hoch und breit wie stolz. Mein Haus ist kaum höher als drei Meter, verschätzen schwer bei so viel Holz. [Chorus] Ist nicht so, dass ich deinen Baum nicht leiden kann, er ist ja wirklich eine Augenweide, Mann. Doch muss man bald was mit ihm machen, bevor die Stürme mit ihm aufs Dach krachen. [Verse 2] Die Nachbarin sprach mich neulich an: „Wär wirklich schade um den Baum, der ist so schön gewachsen, aber bei Herbststürmen trau ich dem kaum. Letztes Jahr waren die orkanartig fast, und wenn der mal umgeweht wird, dann liegt er auf deinem oder meinem Haus, und solche Bäume sind nicht erlaubt.“ [Chorus] Ist nicht so, dass ich deinen Baum nicht leiden kann, er ist ja wirklich eine Augenweide, Mann! Doch muss man bald was mit ihm machen, bevor die Stürme mit ihm aufs Dach krachen. [Verse 3] Aber wir haben ja noch unsern Charly, der sagte: „Klar, den säg ich nach Bedarf. Auf drei Meter Höhe, ja?“ Na gut dann. „Aber erst ab Oktober – wenn man's darf.“ Gut, abgemacht, dann kommst du später. „In den Oktober wird auch mein Wandern fallen, etwas 'Ich bin dann mal weg' zelebrieren.“ Ja klar, doch vorher sollten die Äste fallen. [Chorus] Ist nicht so, dass ich deinen Baum nicht leiden kann, er ist ja wirklich eine Augenweide, Mann! Doch muss man bald was mit ihm machen, bevor die Stürme mit ihm aufs Dach krachen. [Bridge: sudden onset of a fierce autumn gale] [Howling wind, whipping gusts and driving rain, rendered by turbulent instruments] [Violent surges of wind between vocal lines, branches thrashing and leaves roaring] [Storm intensifies progressively through the bridge] Nun ist schon die zweite Oktoberwoche, und draußen häufen sich die Platzregen. Keine Ahnung, ob Charly schon los ist, keine Ahnung, wie weit wohl gehn seine Wege. Keine Ahnung, ob der Schlaganfall der Nachbarin konnte ihre Sorgen wegen Astbruch legen. Keine Ahnung, ob er nächstes Frühjahr sich wirklich unerreichbar hoch gereckt. Keine Ahnung, ob der Verpächter mein Vergehen allzubald entdeckt. Keine Ahnung, ob dann irgendwann ein Brief von ihm im Kasten steckt. [Final Chorus] Ist nicht so, dass sie meinen Baum nicht leiden kann, er ist ja wirklich eine Augenweide, Mann! Doch muss man bald was mit ihm machen, bevor Herbststürme an die Häuser krachen. [Outro] Charlys Ausbleiben nahm ich als Zeichen: Die Weide muss noch nicht beschnitten sein. Doch vielleicht hat er sich übernommen, und ich bild mir nur die Schonfrist ein. Will ich das Beste für den Baum, muss ich wohl einen Fachmann fragen. Charly ist bestimmt schon wandern jetzt – und ich muss selbst die Folgen tragen.

