
[Strophe 1] Der Wecker der Geschichte klingelt, diesmal ohne Snooze, wir tappen aus verqualmten Träumen, reden uns ein, das sei normal. Zwischen Beton und flimmernden Reklametafeln staut sich warme Luft, wir nennen das Fortschritt, doch der Asphalt klebt uns schon an den Schuh’n. Im hohen Norden tauen Böden auf, uralt und tief gefror’n, Gefängnisse von Kohlenstoff, der jetzt entweicht wie ein schwacher Zorn. Mikroorganismen feiern still ihr dunkles Comeback im Takt der Hitze, während wir Selfies schießen, Rabattcodes scannen an der Kasse. Gleichzeitig merken wir, dass unser Lebensstil wie ein Kredit auf Zeit ist, verschuldet bei Kindern, die noch nicht mal wissen, was Konsumrausch heißt. Wir zählen Kalorien, doch nicht die Arten, die im Hintergrund verschwinden, wir fragen selten, welchen Preis das wirklich hat, wenn wir Gewinne finden. Wir stehen im Supermarkt, halten bunte Versprechen in der Hand, und hinter den Etiketten flüstert leise ein überhitztes Land. [Refrain] Früher hieß es laut, Wachstum sei ein Stück Lebenskraft, als wäre Stärke automatisch an Profit und Rendite geknüpft. Heute sind die Parlamente voller gut geölter Hinterzimmer, wo Lobbybriefe leiser leuchten als jedes flackernde Flimmern. Paragrafen werden eingerührt wie Pulver in den Politikdrink, verpackt in Phrasen, die nach Freiheit schmecken und doch nach Willkür stinken. Wahlversprechen mischen sich mit Sponsorenlisten hinter Glas, und jeder Handschlag, jede Spende schafft ein neues Machtgefäß. Gleichzeitig reden sie von Verantwortung, von „gemeinsam in die Zukunft geh’n“, während draußen Gletscher weinen und Korallenriffe untergeh’n. Sie schwören, alles diene nur dem Wohl der breiten Mehrheit, doch zwischen Zeilen steht: Wer zahlt, der schreibt die Wahrheit. [Strophe 2] Seit Jahrzehnten messen Forscher*innen Kurven von Temperatur und Geld, und sie sehen, wie CO2 und Börsenkurse Hand in Hand die Leiter hochgeh’n. Sie zählen Hitze, Sturm und Flut, während Fondsmanager Dividenden zählen, als wäre jede neue Katastrophe nur ein Markt für Aufbauprojekte und Deals. Die Finanzelite baut sich Luftschlösser aus Derivaten und toxischen Träumen, versichert ihr Risiko bei Staaten, die längst auf bröckelndem Boden räumen. Sie hebeln Regeln aus, verschieben Gewinne in Schattenzonen, und wenn das Kartenhaus einstürzt, sollen wieder andere den Schaden lohnen. Für den Alltag eines müden Menschen bleibt dann wenig übrig: Miete, Rechnungen, Überstunden – und ein Fernseher, der die Angst beschwichtigt. Der Überfluss an Werbung, Klicks und künstlichem Bedarf macht uns blind für jede Grenze, die die Erde längst gerissen hat. Wir scrollen durch brennende Wälder, überflutete Straßen im Sekundentakt, und doch fühlt sich alles an wie eine ferne Serie, billig und abstrakt. Zwischen Paywall und Payback-Punkten geht das Gefühl verloren, dass wir Teil des Problems sind – nicht nur stumme Zuschauer im Chor. [Refrain] Besonders dreist sind die ersten Schritte im Hinterzimmer, wenn Handschläge Gesetze formen und es draußen langsam dunkler schimmert. Manche schreiben Passagen so, dass sie nur einem kleinen Kreis was nützen, und nennen das Reform, obwohl sie Ketten schmieden, die uns stützen. Mit fein designten Klauseln, anonymen Fonds und Netzwerken im Takt entsteht ein System, das Reichtum schützt und Widerstand in Akten packt. Ein solcher Deal wird zum Baustein, wenn er im Dunkeln unterschrieben wird, und jede Unterschrift verschiebt ein Stück der Zukunft, leise und gezielt. Sie nennen es Stabilität, Standort, Konkurrenzfähigkeit im Weltbetrieb, als wäre soziale Gerechtigkeit nur eine Randnotiz im Rechenlied. So wächst ein Konstrukt, das Profite feiert und Verluste vergesellschaftet, während draußen Arten sterben, Böden brennen und die Luft sich weiter aufheizt. [Bridge] Oft entsteht der Eindruck, wir seien für manche Akteure nur austauschbare Zahnräder im Getriebe der Rendite. Werbung, Lobbyarbeit und Thinktanks lenken, was wir wählen, was wir kaufen, was wir fühlen sollen. Große Konzerne profitieren, wenn wir stumpf aufs Nächste klicken, wenn wir im Hamsterrad rennen und dafür auch noch Rechnungen schicken. Wenn jede Pause mit einem Abo, jedem Zweifel mit einem Gutschein begegnet wird, wird aus Bürgern eine Zielgruppe, die man in Segmente zerteilt und sortiert. Im selben Takt verschwinden leise Wälder, Moore, Meere, Artenschwund als Kollateralschaden einer fiebrigen Karriere. Doch wir können nachlesen, nachfragen, Bilanz zieh’n, uns fragen, ob wir wirklich nur Beifahrer sind auf diesem Crashkurs hin. Ob jede Unterschrift unter Lobbybriefe, jeder Börsengewinn ein kleines Rädchen ist im Getriebe eines Massenaussterbens, das längst beginnt. Wir könnten fragen, wer hier wem die Zukunft stiehlt, wer an der Spitze der Pyramide steht und doch im Abgrund zielt. [Refrain] Der Wandel unserer Welt schlägt Kerben in unser Wohlbefinden, während Hitzerekorde fallen, als wären sie nur Sporterinnerungen. Wir nennen uns Krone der Schöpfung, hoch über allem, was lebt, und sehen

