
[Verse 4 – Die Unsichtbare] Sie sitzt im Unterricht in Reihe vier, spricht leiser als der Staub, die Lehrkraft merkt sich nur die Lauten – sie bleibt namenlos im Raum. Zu Hause hört man „Sei vernünftig“, „Mach keinen Stress, wir sind eh platt“, also lernt sie früh, dass sie verschwindet, wenn sie niemanden mehr nervt. Du nimmst sie kaum wahr, doch ihre Notizbücher sind voll, mit Welten, die sie nie erzählt, weil niemand fragt, was sie so wollt. Sie wächst heran, wird Kollegin, Partnerin, doch bleibt wie Luft, bis eines Tages keiner weiß, warum sie plötzlich einfach pufft. [Verse 5 – Der Täter] Er hat Mist gebaut, keine Frage, jemand anders trägt den Schmerz, Aktenordner, Urteilsspruch, fertig – „Bitte nächster Fall, kein Herz.“ Doch keiner fragt, wieso es kam, warum die Sicherung zerriss, wie viele Male man ihn hängen ließ, bevor er andre riss. Nein, das ist keine Entschuldigung, nur ’ne erweiterte Sicht, damit du irgendwann verstehst: Schwarz‑Weiß reicht hier einfach nicht. Wenn du nur die letzte Tat siehst, nie den Weg, der dorthin führt, verpasst du jede Chance, dass so was nicht noch mal passiert. [Verse 6 – Die Kämpferin] Sie arbeitet in Schichten, pflegt Fremde, pflegt Verwandte, macht für alle Überstunden, sagt bei sich selbst am meisten „Später“. Tagsüber ist sie Schulter, nachts bricht alles über ihr zusammen, doch ihr Burnout heißt nur „Müdigkeit“, weil alle andern Namen haben. Du siehst ’ne starke Frau, die „alles schafft“, die „nie kaputtgeht“, ich seh den Stachel, der sie frisst, wenn keiner ihre Grenzen sieht. Sie ist der Grund, warum die Welt für viele grad noch läuft, doch niemand fragt, wie lang sie noch kann, bevor sie leise explodiert. [Verse 7 – Zurück zu dir] Ich lauf durch all diese Geschichten wie ein Geist durch fremde Zimmer, seh zu, wie ihr euch selbst verliert, und fühl mich jeden Tag nur schlimmer. Weil ich versteh, warum ihr fallt, und trotzdem niemand abbremst, als würd ich in Zeitlupe zusehen, wie ihr euch gegenseitig hemmt. Manchmal wünsch ich mir, ich wär so abgestumpft wie ihr, kein Zittern in den Händen, wenn ein fremder Blick erfriert. Doch ich steh hier mit den Tränen, die ihr nie geweint habt, und fühl mich schuldig für ein Leid, das ich nicht mal selbst gemacht hab. [Letzte Hook] Ich bin Karlitos, seh zu viel, was ihr nicht sehen wollt, trag eure Brüche mit mir rum, obwohl ihr sagt, das wär nur „Gehalt“. Jeder kennt von uns die Angst und auch den Mut, was Extreme mit uns machen, plus Unwissen – nix ist gut. Und ich raff einfach nicht, was ihr Ottos da verbrannt, schiebt die Schuld auf eure Kinder, statt sie wirklich an die Hand. „Nicht mein Problem“, bis ihr wieder neue Arbeiter braucht, dann schreit ihr „Hier!“, wenn sich wer krumm macht für euch Lauch. Ihr wollt gehorsame Soldaten, keine Fragen im Gefecht, FICKER – ihr habt ihnen nie gezeigt, wie man besser lebt als schlecht. Und am Ende fühl ich mich schuldig, Bruder, ehrlich, ohne Schild, weil ich alles mitfühl’ – während ihr einfach gar nichts fühlt.


