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Vor der Zeit Long

V6

[Intro – flüsternd] Bevor ein Name entstand, war kein Name nötig. Bevor ein Anfang begann, gab es kein Davor. Bevor Zeit verging, gab es kein Später. Nur Sein. Ohne Grenze. Ohne Form. Ohne Gegenüber. [Instrumental solo] [Strophe 1] Kein Innen. Kein Außen. Kein Oben. Kein Unten. Keine Entfernung, die überbrückt werden musste. Keine Nähe, die einen Namen brauchte. Keine Vielheit. Keine Trennung. Nur eine Wirklichkeit, die noch keinen Grund hatte, sich selbst in Teile zu denken. [Instrumental solo] [Pre-Chorus] Vielleicht entstand Materie nicht aus Leere. Vielleicht entstand Leere erst dort, wo Einheit eine Grenze bekam. Vielleicht begann Zeit nicht mit dem ersten Moment. Vielleicht begann Zeit mit der ersten Trennung. [Instrumental solo] [Refrain] Vielleicht ist Liebe älter als jedes Leben. Älter als Materie. Älter als Bewusstsein. Älter als Zeit. Nicht Gefühl. Nicht Verbindung. Sondern der Zustand, bevor Verbindung überhaupt notwendig war. [Instrumental solo] [Strophe 2] Dann entstand Form. Aus Form entstand Grenze. Aus Grenze entstand Unterschied. Aus Unterschied entstand Wahrnehmung. Aus Wahrnehmung entstand das Gefühl von Getrenntheit. Und irgendwo darin entstand die Sehnsucht nach etwas, dessen Ursprung niemals verloren war. [Instrumental solo] [Bridge – fast vollständig still] Was, wenn nichts jemals getrennt wurde? Was, wenn nur die Wahrnehmung begann, Trennung zu sehen? Was, wenn jedes Teil noch immer das Ganze enthält? Was, wenn jede Form nur eine vorübergehende Grenze um etwas Grenzenloses ist? Was, wenn Zeit nicht durch das Sein fließt, sondern das Sein durch die Zeit betrachtet wird? [Instrumental solo] Was bleibt, wenn Vergangenheit verschwindet? Was bleibt, wenn Zukunft niemals eintritt? Was bleibt, wenn selbst der letzte Augenblick seine Bedeutung verliert? [Antwort – sehr leise] Sein. [Strophe 3 – langsam größer werdend] Kein Anfang ohne Möglichkeit. Keine Möglichkeit ohne Sein. Keine Form ohne Grenze. Keine Grenze ohne etwas, das jenseits davon liegt. Alles Sichtbare trägt die Spur des Unsichtbaren. Alles Endliche entsteht innerhalb des Unendlichen. Alles, was vergeht, verliert seine Form. Nicht zwangsläufig seine Wirklichkeit. [Refrain – größer] Vielleicht ist Liebe nicht das Gegenteil von Trennung. Vielleicht ist Trennung nur die Oberfläche. Und darunter war niemals etwas anderes als Verbundenheit. Vielleicht ist Liebe keine Kraft, die etwas zusammenhält. Vielleicht ist sie das, was sichtbar wird, wenn die Illusion der Trennung Risse bekommt. [Final Bridge] Vielleicht war das Universum niemals eine Ansammlung getrennter Dinge. Vielleicht war es immer eine einzige Wirklichkeit, die unzählige Formen annahm, um sich selbst aus unzähligen Blickwinkeln zu erfahren. Sterne. Materie. Leben. Bewusstsein. Nicht voneinander getrennt. Nur verschieden in ihrer Erscheinung. [Finale – beinahe ohne Musik] Bevor Zeit war, war kein Gestern. Bevor Zukunft war, war kein Morgen. Bevor Materie Form annahm, war keine Grenze. Bevor Liebe einen Namen bekam, gab es keinen Namen. Und vielleicht war genau das der Ursprung: Keine Trennung. Keine Zweiheit. Keine Entfernung. Nur Sein. Und vielleicht ist alles, was seitdem geschieht, nicht die Entstehung von etwas Neuem, sondern die langsame Erinnerung an etwas, das niemals aufgehört hat, da zu sein.