
[Instrumental Intro] [Intro] Im Silberglas erwacht ein Raum, halb Wirklichkeit und halb ein Traum. Wo jede Wand ein Echo trägt, und jedes Bild sich selbst bewegt. Kein Schwarz bleibt schwarz, kein Weiß bleibt rein, die Wahrheit tritt durch Nebel ein. [Verse 1] Sie gingen fort bei Sternenfall, durch einen Bogen aus Kristall. Der Mond lag doppelt überm Stein, als müsst jeder Himmel zweimal sein. Ein Flüstern zog durch Spiegelschnee, mal klang es nah, mal tat es weh. Was vorwärts ging, lief rückwärts fort, und jeder Schritt verließ den Ort. [Chorus 1] In der Spiegelwelt bricht Licht entzwei, doch keine Hälfte spricht sich frei. Was gut erscheint, trägt Narben schwer, was dunkel wirkt, bewacht noch mehr. Sie sahen sich im fremden Schein, und keiner blieb nur eins allein. [Verse 2] Ein heller Turm stand kalt und schön, doch ließ er leise Schatten wehn. Ein schwarzer Wald mit Dornenrand, verbarg ein warmes Feuerland. Die Masken trugen wahres Blut, die nackten Augen logen gut. Wer einen Feind im Glase fand, griff nur nach seiner eignen Hand. [Verse 3] Sie sahen Kinder ohne Zeit, mit alten Blicken, sternenweit. Sie sahen Greise jung und klar, die suchten, was verloren war. Ein Richter kniete vor der Schuld, ein Dieb schenkt Brot mit stiller Huld. Ein Held trug Furcht wie einen Schild, ein Feigling hielt den Sturm noch mild. [Chorus 2] In der Spiegelwelt fällt kein Gericht, denn jedes Urteil spiegelt Licht. Was Schuld genannt wird, fragt zurück, was Gnade schenkt, zerbricht ein Stück. Sie lernten dort im Silbergraun, dem ersten Blick nicht mehr zu traun. [Verse 4] Die Wege bogen Kreis um Kreis, durch graue Flammen, laut und leis. Ein Fluss floss aufwärts in die Nacht, und trug doch Morgen in der Macht. Die eine Hand griff nach dem Stern, die andre hielt das Dunkel fern. Doch wo sie trennten Herz und Sinn, lief beides zueinander hin. [Verse 5] Da trat ihr Spiegelbild hervor, nicht stumm wie Glas, nicht taub im Ohr. Es trug ihr Lächeln, fremd verdreht, und eine Wunde, die noch weht. Es sprach nicht böse, sprach nicht rein, es bat nur, nicht verkannt zu sein. Denn was sie tief verborgen hielt, hat längst durch jeden Riss gespielt. [Chorus 3] In der Spiegelwelt wird Grenze Wind, wo Licht und Schatten Kinder sind. Wer sich dort selbst im Fremden sieht, versteht, dass Wahrheit Kreise zieht. Nicht hell, nicht finster, ganz und klar, wird nur, wer beides in sich sah. [Verse 6] Sie gingen weiter, Hand in Hand, durch Glas, das wie ein Herzschlag stand. Die Wände sanken, weich wie Schnee, und jedes Bild tat minder weh. Kein Feind blieb Feind im Silberschein, kein Freund blieb ohne Schatten rein. Doch aus dem Grau, so tief und weit, wuchs ein Gesetz aus Menschlichkeit. [Outro] Als Morgen durch die Spiegel rann, sah jedes Aug' ihn anders an. Die Welt blieb fremd, doch nicht mehr kalt, ein Zauber fand in ihr Gestalt. Und wer den eignen Schatten kennt, trägt Licht, das Finsternis verbrennt. [Instrumental Outro] [End]

