
Ich rede mit Dir, Gott
[Intro] Nachtpredigt: [Ich rede mit Dir, Gott] (Kerzenlicht. Fenster offen. Wind in den Blättern.) Meine Predigt: Gott – mein Gott – heute Nacht trage ich die Welt wie einen Stein im Mund. Ich komme mit leeren Händen, aber einem Herzen voll Fragen, die wie Messer stechen: Warum fühlt sich die Seele manchmal so verlassen an, als hättest DU den Himmel zugemacht? Ich sehne mich nach einem Zeichen – nicht im Donner, nicht im Feuer – sondern im Schluchzen der Erde nach Regen. Im Schrei des Kuckucks um Mitternacht. Im Atem, der noch immer geht, wenn ich denke: Jetzt halt ich’s nicht aus. Ich predige mir selbst diese Wahrheit ins Dunkel: Auch wenn ich mich unsichtbar fühle – ich bin von Ewigkeit her gesehen. Jede meiner Tränen ist in Deinem Krug gesammelt. Jeder Schrei – in Deinem Ohr geborgen. Selbst wenn ich abstürze: Deine Hände sind der Grund, der mich auffängt, bevor ich den Aufprall höre. Mein Gebet: „Ich liege hier, Gott. Mein Atem flattert wie eine verirrte Taube. Ich… … kann nicht schlafen vor Schuld, die wie Rost an mir frisst … zittere vor morgen … habe Angst, dass meine Wunden nie heilen … bin müde vom Maskentragen … fühle mich vergessen wie ein Brief im Regen Doch heute Nacht wage ich zu sagen: Ich breite meine Nacktheit vor Dir aus – jede Scham, jede Wut, jede zerbrochene Hoffnung. Nimm sie. Nimm das Beben meiner Hände. Nimm die Lügen, die ich mir erzählt habe. Nimm den Hass auf mich selbst. Ich klammere mich an DICH: Du bist der Atem in meiner Erstickung. Du bist das Lied in meinem Schweigen. Du bist die Hand, die mich hält, wenn ich loslasse. Heil mich – aber nicht ohne meine Narben. Lass sie leuchten wie Gold in gebrochener Keramik. Mach aus meiner Schwäche eine Brücke für andere, die jetzt auch im Dunkeln liegen und nach Deinem Namen schreien. Ich gebe Dir, was ich nicht tragen kann: (Berühre jetzt deine schmerzenden Stellen – Herz, Schläfen, Hände – während du weiter sprichst) „Hier, Gott: meine Angst vor dem Scheitern. Hier: mein Neid, der mich vergiftet hat. Hier: die Erinnerungen, die nachts an mir nagen. Hier: der Zweifel, ob Du mich wirklich liebst. Nimm sie. Ich will sie nicht mehr fressen.“ Und ich bitte um das Einfache: Gib mir heute Nacht: Träume, die mich wie Flüsse reinigen Die Gnade, meinen eigenen Herzschlag zu lieben Den Mut, morgen die Sonne zu begrüßen – auch wenn sie durch zerbrochene Scheinen fällt. [End]


