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Dietmar`s Düfte - 17.04.2001

Dietmar`s Düfte Ein Parfüm oder zumindest ein gutes Rasierwasser soll die Wirkung unterstützen, die Mann oder Frau ohne nicht oder nicht so hat und wenn sie`s doch haben, soll`s die Wirkung unterstreichen. Mein erstes Rasierwasser habe ich mir ins Gesicht getupft, ohne auch nur ansatzweise einen Bartwuchs zu haben. Es war wohl mehr der Versuch, mal selbst zu schnuppern, wie das Zeug an einem selbst riecht. Ich kann mich nicht mehr erinnern, der Versuch war nicht sehr ergiebig und meine Interessen waren mehr von technischer Natur. Modellbau, ferngesteuerte Benzinmodellautos, diese hatten auch so ihren Duft. Benzin für Jungengedanken, das hat mich angezogen. Mit vierzehn Jahren hat sich das dann schlagartig geändert. Damals meinte ich einen Tanzkurs machen zu müssen. Über ein Nachbarsmädel bin ich auf diesen Gedanken aufmerksam gemacht worden. Ein neuer Lebenabschnitt in meinem Leben begann für mich. Die Tanzschule war eine kleine alte Münchner Tanzschule und der Stamm der ewigen Tanzschüler, die schon alles konnten und immer da waren, war schon irgendwie familiär. Über allem wachte die resolute liebenswerte Frau Richter. Ich lernte also meine Beine im Takt zu bewegen. Manchmal war ich regelrecht taktlos, was Frau Richter immer korrigierte, eins zwei, tscha tscha tscha. Die Gefühle Richtung Mädchenwelt waren in dieser anfänglichen Tanzschulzeit von Schwärmerei geprägt, jedoch war ich auch Techniker genug, um den gewissen Grad der Perfektion im Tanz selbst zu suchen. Es begeisterte mich, diese und jene Tanzfigur gut zu beherrschen und dadurch auch immer wieder ein begehrter Tanzpartner zu sein. Zwischen Tanzkunst und Schwärmerei war das Bedürfnis der Selbstdarstellung angesiedelt. Wer mag sich schon selbst nicht im besten Licht und eben auch besten Duft darstellen? Zum Familienstamm der Tanzschule gehörte auch der Dietmar, er war damals bestimmt schon dreißig Jahre, für mich schon ein mittelalterlicher Mann. Dieser Dietmar hatte so etwas wie ein süßelndes Gehabe an sich, man sagte hinter vorgehaltener Hand, vielleicht ist er ja anders herum. Mir war das egal, der Dietmar war ein liebenswerter Mensch, der mir noch wichtige Tipps geben sollte. Angefangen hatte es damit, dass ich den Dietmar im Foyer der Tanzschule einmal fragte, welches Parfüm er denn nehme, weil er so gut rieche. Oh Gott oh Gott Junge, alles falsch, zuerst einmal riecht man nicht, und zweitens haben Männer im Durchschnitt Eau de Collogne, Parfüms nehmen Frauen. So, hab ich gesagt und Rasierwasser? Rasierwasser ist doch nur der Grundton und da empfinde er einen Pfelgebalsam als viel gesünder, auf die frisch rasierten Bartwangen und Kinn solle kein Parfüm. Eau de Collogne, nein ins Gesicht richtig milde pflegende Substanzen. Ich hatte noch keinen Bart, aber der Dietmar hatte mich beeindruckt. Was hast du denn für ein Eau de Collogne, fragte Dietmar. Ich musste passen, ich hatte nur ein Rasierwasser von meinem Stiefvater an den Wangen, aber von dem konnte nichts mehr wahrgenommen werden. Wenn es dich interessiert, kann ich dir ja eine kleine Auswahl von Eau de Collognes zeigen, was nach meiner Meinung zu dir passen würde, sagte Dietmar. Er begann mich aufzuklären über herb, süßlich, markant dezent, über die richtige Zeit für die richtigen Collognes. Frau Richter gab mir einen Zettel und ich notierte mir die Namen der Duftwässerschen. Eine kleine Kostprobe von Dietmar`s Vortrag konnte ich auch gleich auftragen, denn er hatte immer eine kleine Probe des aufgetragenen Collognes dabei. Ein Tupfenpärchen links am Hals, ein paar rechts, einige hinter den Kopf an den Hals, einige Tupfen ans linke und ans rechte Handgelenk und ab zum Test. Wie ein stolzer Gockel bin ich unter die Hennen getreten und Dietmar hatte Recht, die Tuchfühlung bei den Standarttänzen war so dufte wie noch nie. Heute bin ich so alt wie der Dietmar damals war, es könnten sogar ein paar Jährchen mehr sein. Dietmar`s Tipps, besser gesagt seine Auswahl an Duftwässerchen hat sich bei mir über all die Jahre sehr gefestigt, ehrlich gesagt gar nicht geändert. Ich nehme immer noch haargenau die selben Düfte wie zu Jugendzeiten und meine Minni sagte sogar zu mir, als sie mich kennengelernt hatte, dass ich so gut geduftet habe. Genau das selbe Collogne hat der Chef von meiner Minni auch gehabt, die Welt ist klein. Sogar Düfte begleiten durch`s Leben. Ich habe am Münchner Stachus zu meinen Düften gefunden, welche Düfte, das sage ich nicht, weil doch Düfte was Individuelles sind. Ich mag`s herb, markant und würzig und wenn ich mit Minni zum Tanzen gehe, mag ich meinen leichteren erfrischenden Duft. Danke Dietmar, durch dich bin ich drauf gekommen.