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Das letzte Licht

V6

[INTRO — geflüstert, fast ohne Musik] Bevor das Universum seinen ersten Atem nahm, war keine Dunkelheit. Denn Dunkelheit braucht Licht, von dem sie sich unterscheiden kann. Kein Raum. Keine Zeit. Keine Grenze. Nur etwas, das nicht begonnen hatte. [STROPHE I] Dann riss die Stille. Licht wurde geboren. Materie begann zu fallen. Zeit legte ihre erste Spur in das Gesicht der Wirklichkeit. Sterne entzündeten sich über dem Nichts. Welten entstanden. Grenzen wurden gezogen. Und aus dem Grenzenlosen wurde Vielheit. [PRE-CHORUS] Seitdem zählt alles seine Sekunden. Alles wird geboren. Alles zerfällt. Alles sucht einen Anfang und fürchtet das Ende. Doch vielleicht … war der erste Moment bereits die erste Täuschung. [CHORUS — MASSIV] Wenn das letzte Licht erlischt, wenn die letzte Sonne fällt, wenn die Zeit ihre Richtung verliert und die Ewigkeit die Welt verschluckt — was bleibt, wenn nichts mehr bleibt? Kein Himmel. Kein Boden. Kein Morgen. Nur das, was niemals begonnen hat. [STROPHE II] Galaxien werden zu Staub. Sterne sterben ohne Zeugen. Schwarze Löcher verschlingen die letzten Feuer und selbst ihre Schatten verlieren irgendwann ihre Bedeutung. Die Entropie steigt. Die Abstände werden größer. Das Universum vergisst seine Formen. Und irgendwann ist selbst der Tod kein Ereignis mehr. Nur Stille. [PRE-CHORUS II] Keine Uhr schlägt. Keine Erinnerung bleibt. Keine Zukunft wartet. Kein Bewusstsein nennt das Ende noch beim Namen. Und vielleicht war genau dort die ganze Zeit die Antwort. [CHORUS] Wenn das letzte Licht erlischt, war es dann jemals dunkel? Wenn die letzte Zeit vergeht, war sie dann jemals vergangen? Wenn jede Form zerfällt, was genau ist dann verloren? Vielleicht nichts. Vielleicht nur die Illusion von Form. [BREAKDOWN — tief, verzerrt, fast gesprochen] Was, wenn Materie nur gefrorene Verbundenheit ist? Was, wenn Zeit nur die Bewegung durch Veränderung ist? Was, wenn Trennung keine Eigenschaft der Wirklichkeit ist — sondern eine Eigenschaft der Wahrnehmung? Was, wenn jedes Teil niemals wirklich ein Teil war? [Stille] Was, wenn das Universum niemals auseinanderfiel? Was, wenn es nur so aussah? [STROPHE III — langsam aufbauend] Vielleicht sind Sterne keine einzelnen Feuer. Vielleicht sind sie Narben des Ursprungs. Vielleicht trägt jede Galaxie noch die Erinnerung an eine Zeit ohne Grenzen. Vielleicht ist jede Form nur ein kurzer Zustand einer Wirklichkeit, die niemals Form gebraucht hat. Geburt. Zerfall. Tod. Wiederkehr. Nicht als Kreis. Nicht als Zeit. Sondern als etwas, für das unsere Sprache kein Wort besitzt. [FINAL CHORUS — EXTREM GROSS] Wenn das letzte Licht erlischt, wird die Dunkelheit nicht gewinnen. Wenn die letzte Form zerfällt, wird nichts ausgelöscht. Wenn die letzte Sekunde fällt, wird keine Zeit zurückbleiben. Denn Ewigkeit ist keine endlose Zukunft. Ewigkeit ist das, was niemals Zeit gebraucht hat. [OUTRO — fast vollständig a cappella] Kein Anfang. Kein Ende. Kein Davor. Kein Danach. Keine Grenze. Keine Entfernung. Keine Form. Keine Zeit. Und irgendwo unter allem, unter Materie, unter Licht, unter Bewusstsein, unter Geburt und Untergang, liegt etwas, das nicht entstanden ist. Vielleicht war Liebe niemals ein Gefühl. Vielleicht war sie der Zustand der Wirklichkeit, bevor Wirklichkeit begann, sich selbst zu teilen. [lange Stille] Und wenn am Ende das letzte Licht erlischt, wenn nichts mehr gesehen werden kann, wenn niemand mehr da ist, um sich zu erinnern — muss dann überhaupt noch etwas leuchten? Denn vielleicht … war das Licht nie das, was alles zusammenhielt. Vielleicht war es nur die erste Form, in der etwas sichtbar wurde, das schon immer da war.