
In einem Land fließt Wein in jedes Glas, die Tische biegen sich unter großer Last. Im andern teilt man Brot mit kleiner Hand, und Hunger zieht wie Staub durchs Land. Hier schlafen Kinder sicher, satt und warm, kein Sirenenton zerreißt den Abendcharm. Dort rennst du los, wenn wieder Feuer fällt, mit einem Rucksack – der dein Leben enthält. Schau in den Himmel über dir, derselbe spannt sich auch bei mir. Der Himmel bleibt gleich Kein Pass entscheidet, wer wir sind, kein System bestimmt, wer gewinnt. Der Himmel bleibt gleich Hier darfst du sagen, was dein Herz prägt, kein Schatten fragt dich, was dich dazu bewegt. Hinter der Grenze wird ein Wort zur leisen Gefahr, weil Freiheit doch immer nur ein Gerücht war. Hier gehen Frauen ihren Weg im Licht, mit offnem Blick, verstecken sich nicht. Dort senken sie die Augen aus Angst vor Macht, weil Religion und des Mannes Wort über sie wacht. Schau in die Sterne über dir, ähnliche zeigen sich auch bei mir. Der Himmel bleibt gleich. Kein Pass entscheidet, wer wir sind, kein System bestimmt, wer gewinnt. Der Himmel bleibt gleich. Hier klingt Gebet wie ein freier Gesang, jede Stimme findet ihren Klang. Drüben wird der Zweifel zum Feind erklärt, mit Glaube und Drohung das Leben erschwert. Wir tragen Pässe in vielerlei Farben, sind Menschen mit so schönen Gaben. Unter derselben endlosen Weite, stehen wir alle auf derselben Seite. Schau in die Wolken über dir, gleiche finden sich auch bei mir. Der Himmel bleibt gleich. Kein Pass entscheidet, wer wir sind, kein System bestimmt, wer gewinnt. Und wenn wir lernen, uns zu sehen, statt immer nur uns an zu gehen, dann wird vielleicht, was heute getrennt, zu etwas, das man Menschsein nennt. Der Himmel bleibt gleich. Der Himmel bleibt gleich.

