In der Stille höre ich die Fragen, die niemand laut zu stellen wagt. Unsichtbare Wunden, ungeweinte Tage. Sie sagten: „Kinder sind doch selbstverständlich.“ „Wenn du gut lebst, kommt es von allein.“ Jedes Wort ein Stich, so achtlos gemeint, doch feine Nadeln bohren sich ins Herz hinein. Wir trafen die Entscheidung, gingen den ganzen Weg – ICSI-Behandlung, Hoffnung, dann die Leere. Der Druck war zu groß, zu schwer, wir brachen auseinander, du und ich. Und das Leben schrieb weiter, eine Geschichte ohne mich. Du fandest jemand Neues und das Glück, das uns entwich. Jetzt hör ich von deinem Lachen, von eurem Kind, von dem Leben, das du jetzt führst, und ich zerbreche lautlos wie Glas im Wind – denn ich habe mir eingeredet, ich sei defekt. Ich will dich feiern, dir von Herzen Glück wünschen, doch es kommt nur Trauer, die mich überschwemmt. Bin ich als Mensch verkehrt, weil ich nicht so lieben kann, wie die Welt es verlangt? Im Büro ist „Family Day“, Kolleginnen und Kollegen bringen ihre Kinder mit. Und ich? Ich lächle durch den Schmerz – am liebsten würd’ ich verschwinden: still, unsichtbar, verletzt. Was hatte das alles für einen Sinn? Die Spritzen, Wartezimmer, bangen Nächte, die Hoffnung, die in mir erloschen ist – die Frage bleibt: Wofür? Und die Stimmen flüstern weiter: „Du hättest mehr tun können.“ „Andere schaffen es doch auch.“ Als wäre es so einfach: aufzugeben oder zu gewinnen. Jetzt hör ich von deinem Lachen, von eurem Kind, von dem Leben, das du jetzt führst, und ich zerbreche lautlos wie Glas im Wind – denn ich habe mir eingeredet, ich sei defekt. Ich will dich feiern, dir von Herzen Glück wünschen, doch es kommt nur Trauer, die mich überschwemmt. Bin ich als Mensch verkehrt, weil ich nicht so lieben kann, wie die Welt es verlangt? Da sagte eine Freundin leise: „Du musst das nicht überwinden, musst nicht strahlend und positiv sein. Du darfst schwanken, du darfst empfinden.“ Diese Worte – wie ein Riss im Schutzpanzer, ein Spalt, durch den das Licht hereinfindet. Vielleicht muss ich nicht „heilen“, vielleicht darf ich einfach sein. Schwankend … schwankend zwischen Schmerz und Hoffnung, schwankend zwischen Dunkel und Licht, schwankend – und das ist okay. Ich höre von deinem Lachen, von eurem Kind, von dem Leben, das jetzt deins ist, und ich schwanke noch immer im Wind – doch vielleicht bin ich nicht defekt, nur ein Mensch, der fühlt. Ich lerne langsam, mich zu tragen, mit all den Widersprüchen in mir. Ich bin nicht makellos, nicht vollständig, nicht stark, aber ich bin hier – schwankend, lebend, echt. Schwankend geh ich weiter, ohne Antworten, ohne Plan. Schwankend – und das ist genug. Langsam erkenne ich mich an, langsam erkenne ich mich an …