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Die Steinernen Jungfrauen

V5

Hoch überm Tal auf Felsenwacht wo Nebel um die Zinnen zieh’n da thronte einst in stolzer Pracht die Eselsburg, so stolz und kühn. Darin hauste Burgfrau Marie mit ihren beiden Kammerzofen. Drei Ritter einst umwarben sie mit Minnesang in zarten Strophen. [Refrain:] Der Nebel zieht, der Wind verweht, die Zeit vergeht, der Stein besteht. Und wer am Weiher stille steht, hört, wie ihr Lied im Winde geht. Beim ersten war es nur die Gier, wie sie sehr rasch durchschaute. Der zweite hielt die Treu nicht ihr, dass sie ihm nicht vertraute. Und endlich fand sie einen Mann, der’s ehrlich mit ihr meinte. Doch fiel er drauf im Kampfe dann, sie bitter um ihn weinte. Ihr Herz wurde von Trauer schwer - entbrannt in Höllenschmerzen Glut. Man sah sie lachen nimmermehr befallen von solch schwerem Mut. Von Gott verlassen, ganz allein, suchte sie Trost in tiefer Nacht. Sie rief die finst’ren Mächte rein, schwor einen Pakt mit dunkler Macht. Sie sprach: „Kein Lächeln, kein Gesang! Kein Mann soll je mein Tor mehr seh’n. Den Mägden ward das Herz so bang, die Herrin ließ sie nicht mehr geh’n. Doch eines Nachts tönte ein Klang so schön und rein wie Engel singen. Zwei junger Männer Lobgesang ließen der Zofen Herzen springen. [Refrain] Der Nebel zieht, der Wind verweht, die Zeit vergeht, der Stein besteht. Und wer am Weiher stille steht, hört, wie ihr Lied im Winde geht. Die Jungfraun schlichen sich ganz leise durchs Tor in Silbermondes Glanz hin zu der wundersamen Weise und machten einen Freudentanz. Zwei Fischer standen dort am Teich in stillem feuchten dunklen Grund. Ihr Anblick machte Herzen weich und Liebe blüht zu später Stund. Als beide standen Hand in Hand am Teiche mit den Freiern, erschien die Herrin, schwarzgewandt und schrie mit tausend Feuern: „Ihr habt mein Leid verraten heut - Ihr sollt zu Stein erstarren.“ Ihr Fluch geschwärzt von Hass und Neid ließ beide stumm verharren. Da schwieg die Burg, Jahr aus, Jahr ein, kein Licht mehr schien, kein Mensch mehr kam. Die Herrin fror im Bann allein, verflucht von ihrem eig’nen Gram. Sie litt an Trauer, litt an Not, bis sie erlöst wurde vom Tod. Die dereinst stolze Burg verfiel von ihr zu sehen nicht mehr viel. Doch unten, wo das Wasser rein, steh’n noch die Jungfrauen aus Stein. [Refrain] Der Nebel zieht, der Wind verweht, die Zeit vergeht, der Stein besteht. Und wer am Weiher stille steht, hört, wie ihr Lied im Winde geht.