
[Intro] [low vocal register] Ich seh die Bühne vor mir Kein Applaus, nur Gericht Ein Stuhl, ein Spiegel und mein eigenes Gesicht [Verse 1] Damals, gleiche Straße, aber anderer Blick Wir waren hungrig auf Sekunden, niemals satt auf dem Glück Ich war der Lauteste im Kreis, jeder Satz ein Geschoss Doch jeder Treffer in nem Herz kam als Echo zurück in den Kopf Ich sah den Kleinen mit den Büchern, wir mit Bier in der Hand Wir rissen Seiten aus Träumen, als wär Papier nur verbrannt Hab sein Heft durch die Pfütze getreten, gelacht, als er weint Er sah mich an, als würd er fragen: „Bringt es dich weiter, mein Feind?“ Schnitt, paar Jahre, gleicher Block, andre Rollen im Spiel Er in Anzug, Aktenkoffer, trägt Verantwortung, Stil Ich am Kiosk, Münzen zählen, such die Schuld in dem Staat Doch in der Scheibe steht ein Typ, der mir genauso ähnelt wie ich selbst jeden Tag [Chorus] Moral aus Marmor tief in die Seele graviert Jede Entscheidung wird in Geschichten kopiert Du kannst vor allen aber nie vor dir flieh’n Am Ende musst du deinem Spiegel gegenüber steh’n [Verse 2] [schneller Flow] Meine Mutter hat gesagt: „Junge, Worte werden Wege sie sind Brücken, sie sind Klingen, sie sind Schlüssel oder Regeln“ Ich hab lieber scharf gesprochen, als zu zeigen, dass ich weich bin Biss die Kante meiner Zunge, weil ich dachte, dass ich Fleisch bin Langsam Flow, breiter Atemzug Doch dann, Bruder, kam der Schlagzug Der Freund aus Kindertagen, der für uns immer die Schläge nahm Lag eines Nachts im Krankenhaus, weil er sich selbst nicht mehr tragen kann Wir standen um sein Bett, seine Stimme war brüchig Er lächelt müde, sagt: „Die ganze Härte war künstlich“ „Du baust Mauern aus Sprüchen, die dich irgendwann halten aber Mauern sind Zellen, wenn sie dich von innen verwalten“ Die Zeile hat mich wie ein Richter vernommen Ich hab gemerkt, meine Texte waren Urteile, kaum willkommen Ich malte schwarz-weiße Bilder, gegen den Rest vom Planet Doch war zu feige, um zu sagen, dass mich das Grau auch bewegt [Chorus] Moral aus Marmor tief in die Seele graviert Jede Entscheidung wird in Geschichten kopiert Du kannst vor allen aber nie vor dir flieh’n Am Ende musst du deinem Spiegel gegenüber steh’n [Bridge] [flüsternd, getragene Streicher] Hast du schon mal einem Kind erklärt, warum du Menschen zerstörst, die du nicht mal kennst? Hast du schon mal deinem Vater gesagt, dass all dein „Starksein“ nur aus Angst verbrennt? [Verse 3] [Wechselspiel aus Doubletime und Pausen] Ich sah den Jungen wieder, den mit Büchern in der Hand Diesmal stand er vor Klassen, hatte Kreide, keine Angst Ich war als Gast eingeladen, um von „meinem Weg“ zu erzählen Er sagt: „Berichte von den Fehlern, nicht vom schnellen Applaus und dem Geldregen“ Die Kids sehn Ketten, Autos, sie sehn glänzende Schuhe Doch ich seh schlaflose Nächte, wenn ich ehrlich in mir ruhe Also erzähl ich von der Träne, die ich heimlich geschluckt hab Als mein Bruder meinte: „Deine Zeilen haben mich damals kaputt gemacht“ Ich seh Gesichter in der ersten, zweiten, dritten Reihe Ein Mädchen hebt die Hand und fragt: „Ist Erwachsenwerden Reue?“ Ich atme tief, such die Antwort nicht im Reim, sondern im Bauch Sag: „Erwachsen sind wir dann, wenn wir versteh’n, dass jeder Satz etwas braucht“ „Respekt, weil jeder eine unsichtbare Last trägt

