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Leerzeichen Leere

V5

Ein Blatt. Weiß. Ein Cursor. Blinkt. Der Kopf. Leer. Die Zeit. Verrinnt. Ich sitz' hier und starre auf dieses Nichts Ein unbeschriebenes Blatt, das Urteil eines Gerichts über meine Einfallslosigkeit, mein Versagen, meine Not Ich bin ein Kapitän ohne Schiff, ein Bäcker ohne Brot Der Cursor pulsiert im Takt meiner Panik Mein Hirn ist ein Museum, Abteilung Antik- quarische Ideen, die schon tausendmal da waren Ich bin in den Fängen der Wortfindungs-Gefahren Das ist die Leerzeichen-Leere, das weiße Rauschen im Kopf Der Endgegner jedes Texters, der unbesiegbare Klotz aus Angst und aus Anspruch, der dir die Kehle zuschnürt Bis von der einstigen Kreativität nichts mehr übrig ist, nichts mehr dich berührt Ein Wort... nur ein Wort... komm schon... irgendwas... Ich räum' den Schreibtisch auf, zum siebten Mal heute Ich sortiere Stifte, als wär' das die wichtigste Beute eines Jägers und Sammlers von Prokrastinations-Tricks Ich mach' alles, nur um diesem leeren Dokument zu entfliehen, diesem Nichts Ich lese alte Texte, um mich selbst zu kopieren Selbst das will mir heute nicht mehr gelingen, will nicht mehr funktionieren Ich bin ein Echo meiner selbst, eine schlechte Parodie Ein wandelndes Klischee der Künstler-Tragikomödie Das ist die Leerzeichen-Leere, das weiße Rauschen im Kopf Der Endgegner jedes Texters, der unbesiegbare Klotz aus Angst und aus Anspruch, der dir die Kehle zuschnürt Bis von der einstigen Kreativität nichts mehr übrig ist, nichts mehr dich berührt Ein Satz... nur ein Satz... bitte... irgendwas... Vielleicht ist die Leere ja auch 'ne Chance, ein Neuanfang Vielleicht ist das Schweigen ja auch ein Gesang Vielleicht ist das Nichts ja auch 'ne Form von Kunst ... Nee, komm, das ist doch alles nur gequirlter Dunst. Ich brauch' 'nen Reim auf "Steuererklärung". Mist.