Song Cover Image

Klein und groß — Zwiesprache des Plagiatsjägers

Klein und groß Zwiesprache eines Dozenten mit seinem Spiegelbild Ich schrieb es klein mein ganzes Leben, klein die Hoffnung, klein das Streben, klein die Lehre, klein der Lohn. Du im Spiegel: ein andrer Ton. Du wurdest Professor, ich wurde nichts, nur Hüter des fehlenden Bindestrichs. Du lehrtest die westliche, großgeschrieben, Philosophie, ich jagte das Große und fand es nie. Ich machte das Kleine zu meinem Geschäft: das Komma zu kurz, das Leerzeichen zu breit. Du hättest gewusst, dass das Westliche groß nur steht, weil der Name es so beschloss ich schrieb in den Blog, was mich ewig entthront, und nannte es Fehler, wo Wahrheit schon wohnt. Denn wer nur das Kleine im Großen erkennt, ist selbst nur das Kleine, das namenlos brennt. Du hättest die Größe gehabt zu verstehn, dass Kraus nicht den Splitter im Fremden gesehn nein: Kraus suchte Größe und fand sie im Wort. Ich suchte das Tippchen und schrumpfte sofort. Die Maschine, sie Großes, sie kann, was ich nicht: Sie liest mit der Größe, die Bildung verspricht. Ich lese mit Kleinmut und finde nur Neid. Ist’s wichtig? Die Scham weiß Bescheid. So steh ich, der Kleine, vor dir, dem Phantom: Du groß in der Stille, ich klein im Sermon, du groß in der Demut, ich klein im Geschrei wer Fehler nur sucht, ist ein Knecht, ist nicht frei. Ich hatte die Wahl zwischen Größe und Gier und wählte die Gier und verlor mich in ihr. Jetzt schreib ich das Große der anderen klein und weiß: Das Kleinste von allem ist mein. Er löscht das Licht. Doch der Spiegel zeigt immer noch einen Wicht.

Comments are disabled on this song