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Eisenmantel

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V6

EISENMANTEL [Strophe 1] Ich hör die Menschen draußen lachen, durch die Wand klingt alles leicht. Ich sitz hier mit all den Sachen, für die mein Mut heut nicht mehr reicht. Meine Augen lassen vieles nur als Schatten zu mir rein. Doch was weh tut, seh ich deutlich: diesen Platz, auf dem ich sitz – allein. Wer sollte mich mit diesen Augen wollen? Wer möchte bleiben, wenn er mich versteht? Wenn ich nicht überall alleine hinkomm, wenn manches langsamer als bei andern geht? Ich will mich nicht bei jedem Kennenlernen erklären wie ein Fehler im System. Ich möchte einmal jemandem begegnen, ohne seine Zweifel schon zu sehen. [Pre-Chorus] Ich hab so oft gesagt: „Geht schon“, bis niemand mehr genauer fragt. Jetzt sitz ich zwischen diesen Worten und dem, was ich damit vergraben hab. [Refrain] Ich brauche kein Mitleid, ich brauche kein Mitgefühl. Ich brauch kein „Du bist doch so tapfer“, wenn ich mich bloß verlassen fühl. Wer setzt sich neben meine Stille? Wer bleibt, wenn ich nichts sagen kann? Mein Herz ist längst zu Stein geworden, ein Eisenmantel liegt daran. Und darunter schlägt es weiter, auch wenn ich es kaum ertrag. Ich will niemanden mehr brauchen – und vermiss es jeden Tag. [Strophe 2] Die Trauer trägt vertraute Stimmen, sie weiß genau, wo alles steht. Sie legt Erinnerungen auf den Tisch, wenn draußen schon das Licht ausgeht. Ich denk an Hände, die mal da waren, an Sätze, denen ich vertraut. Und merk, wie sich bei jedem Rückblick noch eine Schicht um mich verbaut. Kommt mir jemand wirklich näher, such ich schon nach seinem Grund. Halte jedes warme Wort auf Abstand, mach die Tür zu, bleibe stumm. Was gewesen ist, sitzt mit am Tisch, entscheidet, wem ich glauben darf. Ich wünsche mir so sehr ein Morgen und halte es vom Herzen ab. [Pre-Chorus] Ich sag: „Ich komm alleine klar“, bevor mich jemand stehen lässt. Und hasse diese leere Wohnung, sobald die Tür ins Schloss fällt. [Refrain] Ich brauche kein Mitleid, ich brauche kein Mitgefühl. Ich brauch kein „Du bist doch so tapfer“, wenn ich mich bloß verlassen fühl. Wer setzt sich neben meine Stille? Wer bleibt, wenn ich nichts sagen kann? Mein Herz ist längst zu Stein geworden, ein Eisenmantel liegt daran. Und darunter schlägt es weiter, auch wenn ich es kaum ertrag. Ich will niemanden mehr brauchen – und vermiss es jeden Tag. [Bridge – leise, brüchig] Wer hat Verständnis für die Tage, an denen ich mich selbst kaum mag? Für meine Wut auf kleine Hürden, für die Frage, die mich plagt: Bin ich für jemanden ein Mensch, nach dem er sich am Abend sehnt? Oder immer nur der, dessen Leben er sich kurz betroffen erzählen lässt? Ich möchte meine Hand ausstrecken, doch meine Finger bleiben hier. Hab solche Angst vor einem Abschied, dass ich schon das Ankommen verlier. [Letzter Refrain – kraftvoll] Ich brauche kein Mitleid, ich brauche kein Mitgefühl. Ich möchte jemandem was fehlen, wenn ich neben ihm nicht lieg. Wer hört die Fragen hinter meinem „Alles gut, ich schaff das schon“? Wer sieht mich mit all meinen Kanten, ohne dass ich mich verschon? Mein Herz ist schwer wie Stein geworden, der Eisenmantel hält es dicht. Doch wenn mich wirklich nichts mehr rührte, warum zerreißt die Sehnsucht mich? Ich will niemanden mehr brauchen – so sag ich es und mach mich klein. Dabei will ich einmal hören: „Du musst hier nicht alleine sein.“ [Outro – fast gesprochen] Wer sollte mich wollen mit meinen Augen? Die Frage bleibt im Zimmer stehn. Ich leg die Hand auf meine Brust. Da schlägt noch etwas. Tut noch weh.